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Vom Hörsaal in den Luftraum: Zwei Studierende entwickeln Drohnen-Management-Software

Aus einem praktischen Bedarf heraus entwickelten Henning Norden und David de Temple an der Hochschule Flensburg die Software „DroneS Control“ – eine datenschutzkonforme Steuerzentrale für professionelle Drohneneinsätze. Heute stehen sie mit ihrem Start-up kurz vor der Einstellung des ersten Mitarbeiters – und vor dem Abschluss von Verträgen mit Behörden und Regierungen.

Zwei Männer sitzen auf der ladefläche eines Autus, im Hintergurnd eine Drohne
Wenden Informatik an: David de Temple und Henning Norden (li) haben eine Drohnen-Management-Software entwickelt.

Aus einem konkreten praktischen Bedarf heraus entstand eine Geschäftsidee, die inzwischen Behörden, Feuerwehren und möglicherweise bald sogar eine europäische Regierung interessiert: Die Drohnen-Management-Software „DroneS Control“, entwickelt von den Flensburger Studierenden Henning Norden und David de Temple, ist ein Beispiel dafür, wie aus einem Werkstudentenjob ein funktionierendes Start-up werden kann.

Henning und David studieren Angewandte Informatik an der Hochschule Flensburg. Die Idee zur Software entstand allerdings nicht in einem Hörsaal, sondern direkt im Berufsalltag: Henning war als Werkstudent beim Unternehmen GDDC in Eckernförde tätig, das sich auf Drohnenrecht und -dienstleistungen spezialisiert hat. In der praktischen Arbeit stellte sich schnell heraus: Es fehlte an einer Softwarelösung, die sowohl technisch leistungsfähig als auch datenschutzrechtlich konform ist.

„Viele der verfügbaren Softwares kommen aus China oder aus anderen europäischen Ländern“, erklärt David. „Das stellt ein Problem für Behörden dar, die keine Anwendungen nutzen dürfen, bei denen die Server außerhalb Deutschlands stehen oder die gegen die DSGVO verstoßen.“ Die vorhandenen Lösungen waren entweder zu technisch, zu unübersichtlich – oder schlicht nicht zugelassen. Henning und David beschlossen, eine eigene Lösung zu entwickeln.

Digitale Steuerzentrale für den Drohneneinsatz

Ihre Idee: Eine benutzerfreundliche, datenschutzkonforme und leistungsstarke Plattform zur Verwaltung von Drohnenflügen. Die Software „DroneS Control“ erlaubt es unter anderem, automatisch geplante Flugrouten zu erstellen, Missionen zu terminieren, Livestreams zu verfolgen und Videomaterial zentral zu speichern und zu verwalten. In Kombination mit sogenannten Drohnen-Docks – also festen Start- und Landeplätzen, aus denen Drohnen automatisiert operieren können – wird so eine Art Fernbedienung für professionelle Drohneneinsätze geschaffen.

Zum Einsatz kommen dabei Drohnen des Herstellers DJI, die die Software vollständig unterstützt. Perspektivisch wollen die Gründer aber auch Open-Source-Drohnen oder Eigenentwicklungen integrieren. „Das ist eine unserer Ausbaustufen“, sagt Henning. „Langfristig könnten wir uns auch vorstellen, selbst Drohnen zu entwickeln – je nach Kundenbedarf.“

Vom Studium ins Unternehmertum

Das Projekt, das mittlerweile in einem eigens gegründeten Unternehmen weiterentwickelt wird, ist eng mit dem Studium verbunden. Die beiden Gründer haben ihre Arbeit im Rahmen einer Projektarbeit an der Hochschule Flensburg eingebracht. David plant außerdem, seine Abschlussarbeit über das Projekt zu schreiben. Unterstützt wurden sie dabei auch von der Hochschule selbst, etwa durch Professor Niklas Klein, sowie durch das Gründungsnetzwerk „Dock1“, bei dem sie sich zu Fördermöglichkeiten und Gründungsstrategien beraten ließen.

„Natürlich hilft einem das Studium bei so einem Projekt“, sagt David. „Gerade im Bereich Netzwerke, Verteilte Systeme oder Softwarearchitektur haben wir viel gelernt, was direkt in die Entwicklung eingeflossen ist.“ Auch das strukturierte Arbeiten und die Fähigkeit, technische Herausforderungen systematisch anzugehen, seien Kompetenzen, die aus dem Studium kommen.

Herausforderung Vertrieb – und langer Atem gefragt

„Die größte Herausforderung war und ist der Vertrieb“, sagen beide übereinstimmend. Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), zu denen viele ihrer Kunden gehören, haben oft langwierige Entscheidungsprozesse. Zwischen erster Kontaktaufnahme und Vertragsabschluss können Monate vergehen. Für ein junges Start-up mit begrenzten finanziellen Ressourcen ist das eine harte Belastungsprobe.

Umso wichtiger ist es, einen Fuß in die Tür zu bekommen – sei es durch persönliche Kontakte, überzeugende Präsentationen oder durch engagierten Vertriebsaufbau. Derzeit stehen Henning und David kurz davor, einen Vertriebsexperten einzustellen.

Trotz aller Herausforderungen sehen beide ihre Zukunft im Unternehmertum. „Das ist nicht das letzte Unternehmen, das ich gründen werde“, sagt Henning. Gleichzeitig betonen sie, dass sie „DroneS Control“ nicht mit dem Ziel gegründet haben, es möglichst schnell wieder zu verkaufen. Vielmehr soll es ein stabiles, zukunftsfähiges Unternehmen werden – mit echten Anwendungsmöglichkeiten und gesellschaftlichem Nutzen.