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Internationale Studierende entwickeln Windenergiekonzept für den Wiederaufbau Syriens

Wie kann moderne Windenergie unter den besonderen technischen, wirtschaftlichen und systemischen Bedingungen eines Landes im Wiederaufbau realistisch geplant und umgesetzt werden? Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich das internationale Hochschulprojekt „Optimus Syria“, das an der Hochschule Flensburg und der HAW Kiel angesiedelt ist.

Ein Mann im Vorlesungssaal

Das Projekt ist als anspruchsvolle Semesterarbeit im dritten und zugleich abschließenden Mastersemester des Studiengangs Wind Energy Engineering konzipiert und vereint rund 50 internationale Studierende aus mehr als zehn Nationen – darunter Studierende aus dem Mittleren Osten, Indien, Syrien, Italien und Deutschland.

„Ziel ist es, ein technisch belastbares und anwendungsnahes Windpark- und Anlagenkonzept zu entwickeln, das perspektivisch als Grundlage für Pilot-, Demonstrations- und Förderprojekte dienen kann. Damit verbindet Optimus Syria exzellente akademische Ausbildung mit einem klaren gesellschaftlichen und energiepolitischen Anspruch“, so Prof. Dr. Torsten Faber, Institutsleiter des Wind Energy Technology Instituts der Hochschule Flensburg.

„Zum ersten Mal seit 1979 ist Syrien frei von internationalen Sanktionen und positioniert sich als offenes Land für ausländische Investitionen. Besonders vielversprechend ist dabei der Sektor der erneuerbaren Energien, insbesondere die Windenergie.

In diesem Zusammenhang hat der Staat ein Verfahren zur Präqualifikation von Projektentwicklern und Investoren eingeleitet, die an der Entwicklung eines Windparkprojekts mit einer Leistung zwischen 100 und 200 Megawatt interessiert sind.

Vor diesem Hintergrund zielt das Projekt Optimus Syrien darauf ab, insbesondere Investoren aus Deutschland auf die Möglichkeiten zur Umsetzung von Windenergieprojekten aufmerksam zu machen, da Deutschland weltweit zu den führenden Ländern in diesem Bereich zählt“ so Dr. Laurence Alhrshy

Ausgangspunkt des Vorhabens ist der steigende globale Bedarf an nachhaltigen Energielösungen – insbesondere in Ländern, die sich nach langen Konflikten im Wiederaufbau befinden. „Syrien steht exemplarisch für Regionen, in denen der Energiesektor bislang stark von fossilen Quellen abhängig ist, zugleich aber großes Potenzial für erneuerbare Energien bietet. Das Projekt versteht sich ausdrücklich als Beitrag „aus Schleswig-Holstein für die Welt“ und macht die international anerkannte Windenergiekompetenz des Landes sichtbar,“ so Prof. Peter Quell von der HAW Kiel.

Optimus Syria baut auf einer interdisziplinären akademischen Systemstudie auf und soll im Rahmen eines HWT-Projekts gezielt weiterentwickelt werden. In Kooperation mit dem in Schleswig-Holstein ansässigen Unternehmen PNE AG soll das Konzept von einem universitären Entwurfsstand zu einem realitätsnahen, strukturierten Entwicklungsstand geführt werden. Im Fokus stehen angewandte Forschung, Systemintegration und Wissenstransfer – im Einklang mit den Förderzielen des HWT-Programms.

„Kern des Projekts ist das Design einer modernen Windenergieanlage mit einer Leistung von fünf Megawatt und einem Rotordurchmesser von rund 160 Metern. Als potenzieller Standort wurde eine Region in der Nähe von Homs identifiziert. Um den Anforderungen eines vergleichsweise schwachen Stromnetzes gerecht zu werden, ist die Integration eines Energiespeichersystems vorgesehen, das Netzschwankungen ausgleicht und die Versorgungssicherheit erhöht“, so Faber.

Lt. Quell belaufen sich die Investitionskosten der Anlage auf ca. eine Million Euro pro Megawatt. Damit liegen die geschätzten Baukosten der Anlage bei rund fünf Millionen Euro und entsprechen heutigen State-of-the-Art Windenergieanlagen. Ziel des HWT-Projekts ist es, auf dieser Grundlage geeignete internationale Förder- und Finanzierungsprogramme zu identifizieren, um eine spätere Realisierung eines solchen Projekts in Syrien zu ermöglichen.

Mehr als 15 spezialisierte studentische Ingenieurteams bearbeiten alle zentralen Subsysteme – von Aerodynamik und Rotorblattdesign über elektrische Antriebssysteme, Steuerungs- und Netztechnik bis hin zu Fundament, Turm und Windparklayout. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von einem interdisziplinären Professorenteam der Hochschulen Flensburg und Kiel sowie von Partnern der Universität Damaskus und der Syrian Virtual University. Die Koordination liegt bei Dr. Laurence Alhrshy vom Wind Energy Technology Institute (WETI) der Hochschule Flensburg.

Optimus Syria stärkt Schleswig-Holstein als international sichtbaren Innovationsstandort für Windenergie und angewandte Energieforschung. Gleichzeitig qualifiziert das Projekt Studierende in praxisnaher System- und Projektentwicklung, fördert den Wissenstransfer zwischen Hochschule und Wirtschaft und legt den Grundstein für langfristige internationale Forschungspartnerschaften.

Als nächster Schritt sollen auf Basis der vorliegenden Ergebnisse konkrete Projektideen für Pilot- oder Demonstrationsvorhaben entwickelt und weiterführende Förderanträge vorbereitet werden. Damit leistet Optimus Syria einen nachhaltigen Beitrag zu Energie- und Klimaschutz – regional verankert, global wirksam.