Wie wirken Nachhaltigkeitsanforderungen entlang globaler Lieferketten? Marcus Brandenburg stellte Forschungsergebnisse der Hochschule Flensburg in Sri Lanka vor und tauschte sich über Kreislaufwirtschaft und gemeinsame Forschungsperspektiven aus.
Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Forschungsfeld der Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Flensburg (HS Flensburg). Wie lassen sich globale Lieferketten nachhaltiger gestalten und Prinzipien der Kreislaufwirtschaft in Unternehmen umsetzen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Prof. Dr. habil. Marcus Brandenburg gemeinsam mit Studierenden und Forschenden in der anwendungsorientierten Forschung und im Wissenstransfer. Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen gesetzlicher Nachhaltigkeitsanforderungen entlang globaler Lieferketten sowie die Konzeption und Umsetzung der Kreislaufwirtschaft in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).
Die direkten Auswirkungen des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) auf die betroffenen Unternehmen standen im Mittelpunkt einer wissenschaftlichen Studie. Durch Interviews mit Führungskräften untersuchte Brandenburgs Forschungsteam die Voraussetzungen für die Umsetzung des Gesetzes, dessen Auswirkungen auf die Unternehmensleistung sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken. Eine zweite empirische Untersuchung ging einen Schritt weiter und analysierte durch eine Unternehmensbefragung die indirekten Auswirkungen des Gesetzes auf vorgelagerte Lieferanten. Die Ergebnisse zeigen, dass das LkSG sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf Unternehmen und Lieferketten haben kann. Zudem werden Nachhaltigkeitsanforderungen entlang der Lieferketten vom Einzelhandel über die Fertigwarenherstellung bis hin zu den Rohstoffmärkten weitergegeben.
Im Rahmen des Interreg-Projekts „GrønBusiness“ entwickelte ein Forschungsteam der HS Flensburg unter der Leitung von Brandenburg ein Referenzmodell für die Kreislaufwirtschaft. Es umfasst 17 verschiedene Praktiken der Kreislaufwirtschaft, 18 Voraussetzungen für deren Umsetzung und neun Leistungsmerkmale. Darüber hinaus identifizierte das Projektteam zentrale Treiber und Hindernisse sowie Chancen und Risiken, die KMU in der deutsch-dänischen Grenzregion bei der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft berücksichtigen sollten.
Dass diese Forschungsfragen und Erkenntnisse zur Nachhaltigkeit globaler Lieferketten und zur Kreislaufwirtschaft auch in Südasien von Bedeutung sind, erlebte Brandenburg im September 2026 auf seiner Forschungsreise nach Sri Lanka. Bei einem Gastvortrag an der University of Moratuwa stellte er seine Forschungsergebnisse zum deutschen LkSG vor. Gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Studierenden diskutierte er die internationale Bedeutung solcher gesetzlichen Regelungen für die Nachhaltigkeit und ihre Auswirkungen auf global tätige Unternehmen und internationale Lieferketten.
Auf der anschließenden Global Conference for Sustainable Manufacturing (GCSM) in Colombo präsentierte Brandenburg die an der HS Flensburg gewonnenen Forschungsergebnisse zur Kreislaufwirtschaft in KMU der deutsch-dänischen Grenzregion. Mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Unternehmenspraxis diskutierte er, inwieweit sich die Erkenntnisse auf andere internationale Kontexte übertragen lassen.
Wie Nachhaltigkeitsaspekte in der lokalen Agrarindustrie berücksichtigt werden, konnte Brandenburg beim Besuch eines Teeherstellers vor Ort beobachten. Während der arbeitsintensive Teeanbau und die Ernte überwiegend in Handarbeit erfolgen, kommen bei der maschinellen Teeverarbeitung industrielle Produktionsanlagen zum Einsatz. Dank sorgfältiger Nutzung und regelmäßiger Wartung weisen diese eine sehr lange Lebensdauer auf.
Die Forschungsreise stärkt den internationalen Wissenstransfer, die Sichtbarkeit und die Vernetzung der Hochschule Flensburg in einem für Nachhaltigkeit und industrielle Transformation wichtigen betriebswirtschaftlichen Forschungsfeld. Der Austausch mit internationalen Hochschulen und Forschungspartnern eröffnet zudem neue Perspektiven für gemeinsame Forschungsprojekte, den wissenschaftlichen Transfer und die Weiterentwicklung der Lehre. Studierende und Promovierende der HS Flensburg erhalten dadurch Möglichkeiten, sich an international ausgerichteter Forschung und am Wissenstransfer zu beteiligen und Forschungsergebnisse in den globalen wissenschaftlichen Diskurs einzubringen.
Doch muss man dafür im Zeitalter der Digitalisierung und angesichts des Klimawandels noch reisen? „Als Präsenzhochschule gehört es zu unserem Selbstverständnis, unsere Aktivitäten nicht auf digitale Formate zu beschränken, sondern auch den persönlichen Austausch zu pflegen“, erklärt Brandenburg. „Konferenzvorträge vor Ort und der direkte Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sind unverzichtbar, um Forschungsergebnisse international zur Diskussion zu stellen und neue Perspektiven und Impulse für weitere wissenschaftliche Arbeiten zu gewinnen. Die Forschungsreise nach Sri Lanka steht beispielhaft für den Anspruch der Hochschule Flensburg, anwendungsorientierte Forschung mit internationaler Perspektive zu verbinden und gemeinsam mit Studierenden und Promovierenden erzielte Forschungsergebnisse in die Praxis zu übertragen.“