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Student digitalisiert technische Dokumentation von Windkraftanlagen

Komplexer als eine Kaffeemaschine: Kevin Kubelke zeigt in seiner Masterthesis Wege auf, die komplexen technischen Dokumentationen von Windkraftanlagen besser nutzbar zu machen. Und wird dafür von der Industrie- und Handelskammer mit dem Dr.-Hans-Adolf-Rossen-Preis ausgezeichnet.

Mag den Hörsaal: Kevin Kubelke
Mag den Hörsaal: Kevin Kubelke. – Foto: Gatermann

Es ist ein dicker Wälzer. Stolze 15000 Seiten umfasst die technische Dokumentation einer Windkraftanlage. Vom Transport über Aufbau, Wartung bis zur Außerbetriebnahme – alles was den Lebenszyklus von Rotor, Getriebe, Turm und Co.  betrifft ist hier beschrieben. „Eine Windkraftanlage ist eben etwas komplexer als eine Kaffeemaschine“, sagt Kevin Kubelke. In seiner Masterarbeit hat sich der Absolvent der Internationalen Fachkommunikation damit befasst, wie die umfassende Anleitung besser konsumiert werden kann. Dafür ist der 40-Jährige jüngst mit dem Dr.-Hans-Adolf-Rossen-Preis der Industrie- und Handelskammer Flensburg ausgezeichnet worden.

Die Mischung aus Technik und Linguistik ist es, die Kevin Kubelke von Beginn an interessiert. Nach dem Abitur und der Ausbildung zum Kommunikationselektroniker führte ihn der Weg ins Studium der Internationalen Fachkommunikation, Schwerpunkt: technische Redaktion. Bedienungsanleitungen schreiben – heißt es oft verkürzend. Denn es geht um viel mehr. „Der Lebenszyklus eines Produktes wird beschrieben“, erklärt Kubelke. Wie werden bestimmte Arbeiten bei der Inbetriebnahme durchgeführt, wann erfolgt auf welche Art die Wartung oder die Reparatur einzelner Subsysteme innerhalb des ganzen großen Systems – das alles und noch viel mehr umfasst die technische Dokumentation. Kubelkes Fachgebiet. Dazu braucht es technisches Verständnis und sprachliche Ausdrucksfähigkeit gleichermaßen. „Wir müssen verständlich, kurz und prägnant, aber auch vollständig beschreiben“, so Kubelke. Nach beruflichen Stationen dies- und jenseits der dänischen Grenze verfasst Kubelke derzeit technische Dokumentationen für einen Windkraftanlagen-Hersteller. Und ist dabei auf das Problem gestoßen, das ihn zu seiner Master-Thesis anregte.
 

Wir müssen verständlich, kurz und prägnant, aber auch vollständig beschreiben

Kevin Kubelke, Absolvent der Internationalen fachkommunikation

Die technische Dokumentation einer Windkraftanlage werde als PDF-Datei an Betreiber*innen ausgeliefert. Ein lineares Format, so Kubelke, in dem man scrollen, zoomen, im Dokument hin- und herspringen muss. Manchmal werde es sogar ausgedruckt zum Arbeiten in eine Anlage mitgenommen. „Mit Digitalisierung hat das wenig zu tun“, sagt er. Also schaute sich der Masterstudent elektronische Formate an, mit denen die komplexen Daten übersichtlicher dargestellt und einfacher genutzt werden können. Seine wissenschaftliche Betrachtung, was mit vorhandenen Systemen geht, wo nachgebessert werden muss, hat er auch in seiner Firma vorgestellt. Denn Kubelke erarbeitete diesen von der IHK-Jury ausgezeichneten Beitrag berufsbegleitend. Eine anstrengende, aber lohenden Zeit, wie er heute sagt.

„Wenn man Arbeitserfahrung hat, weiß man die Theorie viel besser einzuordnen“, sagt Kubelke, der sich mehr berufsbegleitende Angebote wünscht. Mit seinem bisherigen Karriereweg, der den Familienvater schon in verschiedene Branchen und Firmen führte, ist er höchst zufrieden. Dabei spielt sicher auch die hohe Nachfrage eine Rolle. „Der Bedarf an Expert*innen, die beide Komponenten, die Technik und die Linguistik, beherrschen ist groß“, weiß Kubelke. Die Job-Aussichten auch für künftige Absolvent*innen sind äußerst gut.