Direkt zum Inhalt

Wie Studierende lernen, Software für reale Probleme zu entwickeln

Wie entsteht eigentlich Software in der Praxis? Und was müssen Studierende lernen, um später in komplexen Projekten bestehen zu können? An der Hochschule Flensburg wird diese Frage nicht nur theoretisch behandelt, sondern im direkten Austausch mit Unternehmen erprobt.

Menschen von hinten
Das Besondere an dem Projekt: Die Studierenden präsentieren ihre Arbeit realen Kunden. – Foto: Petersen

Im Studiengang Wirtschaftsinformatik arbeiten Studierende in einem mehrmonatigen Softwareprojekt an konkreten Aufgabenstellungen eines Industriepartners. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Activdigital entstehen dabei Anwendungen, die reale betriebliche Anforderungen adressieren – von der ersten Idee bis zur fertigen Lösung.

Das Projekt ist Teil eines aufeinander aufbauenden Lehrkonzepts: In den Kursen Software Engineering und Web Engineering erwerben die Studierenden zunächst methodische und technische Grundlagen. Im anschließenden Projekt wenden sie diese in einem realitätsnahen Kontext an und durchlaufen den gesamten Entwicklungsprozess – von der Anforderungsanalyse über die Implementierung bis hin zu Test, Deployment und Präsentation beim Auftraggeber.

Dabei zeigt sich, dass Softwareentwicklung weit mehr ist als Programmierung. Anforderungen müssen präzise formuliert, mit dem Kunden abgestimmt und im Projektverlauf immer wieder angepasst werden. Genau diese iterative Zusammenarbeit bildet einen zentralen Bestandteil moderner Softwareentwicklung.

Mehr als Programmierung

In den vergangenen zwei Jahren sind so mehrere praxisrelevante Anwendungen entstanden. Dazu zählen unter anderem Systeme zur Verwaltung digitaler Endgeräte, zur Organisation von Fahrzeugflotten – etwa zur Überwachung von TÜV-Terminen – sowie eine digitale Lösung für die Brandschutzdokumentation. Letztere unterstützt Unternehmen dabei, Dokumentationsprozesse effizienter zu gestalten, indem sie Daten strukturiert erfasst, eindeutig zuordnet und revisionssicher verwaltet.

Für die Studierenden bedeutet das Projekt vor allem eines: Sie arbeiten nicht mit fiktiven Aufgaben, sondern mit realen Anforderungen. Sie lernen, mit Kundenfeedback umzugehen, im Team Lösungen zu entwickeln und Verantwortung für funktionierende Systeme zu übernehmen. Gleichzeitig entstehen Projekte, die sie später in Bewerbungen und Portfolios vorweisen können.

Mehrwert für Studierende

„Software Engineering lässt sich nicht allein aus Büchern lernen – erst in der Zusammenarbeit mit realen Kunden wird erfahrbar, was gute Anforderungen, Kommunikation und iterative Entwicklung wirklich bedeuten“, sagt Prof. Kai Petersen.

Auch die beteiligten Unternehmen profitieren: Sie erhalten neue Perspektiven auf ihre Fragestellungen, entwickeln gemeinsam mit der Hochschule digitale Lösungen und knüpfen frühzeitig Kontakte zu potenziellen Nachwuchskräften.

Weiterentwicklung der Kooperation

Die Zusammenarbeit mit Activdigital besteht inzwischen seit zwei Jahren und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Parallel dazu arbeiten Studierende im aktuellen Semester bereits mit einem weiteren Partner zusammen: Im Rahmen des Kurses Web Engineering entstehen Anwendungen in Kooperation mit dem Unternehmen DevHelden.

Das Lehrkonzept zeigt, wie sich theoretisches Wissen und praktische Anwendung sinnvoll verbinden lassen – und welche Rolle Hochschulen dabei spielen können, Studierende auf die Anforderungen einer zunehmend komplexen digitalen Arbeitswelt vorzubereiten.

 

Menschen
Im Studiengang Wirtschaftsinformatik arbeiten Studierende in einem mehrmonatigen Softwareprojekt an konkreten Aufgabenstellungen eines Industriepartners. – Foto: Petersen