Das ist dienstrechtlich ein ganz normaler Vorgang. Die gesellschaftlich vielleicht wünschenswerte oder erforderliche Flexibilisierung von Lebensarbeitszeiten lässt kaum anderes zu und die finanziellen Anreize fehlen, resümiert Uli Welland und sieht hier zukünftiges Verbesserungspotential.
Gefeiert wurden die runden Zahlen bereits am 10. Juni bei einem Grillfest in den Maschinenhallen der Hochschule. Dorthin hatte Uli Welland alle Kolleginnen und Kollegen eingeladen. Das zahlreiche Erscheinen, viele interessante Gespräche und den Anlass würdigende Reden haben bei unerwartet sonnigem Wetter zum Gelingen dieses Festes beigetragen. Der hochschuleigene Alumni-Verein profitierte en passant mit einer Spende. Am 6. Juli wurde im Präsidium offiziell die Entlassungsurkunde überreicht.
Zum Wintersemester 1993/1994 hatte Uli Welland von der Deutschen Bank kommend zur Hochschule Flensburg – damals noch Fachhochschule Flensburg – gewechselt. Bei dieser war er zuletzt als konzern-weiter Bereichscontroller für das Börsen- und Fondsgeschäft in den markanten Frankfurter Zwillingstürmen tätig. Die Denomination seiner Professur sah neben der standardmäßigen Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre die Modulverantwortlichkeit für Investition und Finanzierung vor. Für die ABWL stand er zwar nie im Hörsaal, mit der Mathematik kam aber schnell ein weiteres Grundlagenmodul hinzu, welches er bis zum Schluss verantwortet hat. Zwei Grundlagenmodule zehren das Lehrdeputat schnell auf, wenn man die formal erforderlichen Gruppenteiler zu Grunde legt. Nimmt man hingegen die faktische Präsenz im Hörsaal zum Maßstab, dann ergeben sich Freiräume für zusätzliche Angebote. Und diese Freiräume waren es, die Uli Welland für zahlreiche Module rund um die schillernden Themen im Bereich Finance (z.B. Termingeschäfte, Portfolio- und Kapitalmarkttheorie) nutzte. Deutschland ist wenig börsenaffin und der Glaube an etatistische Lösungsansätze groß, aber Beharrlichkeit und Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge führen zu interessanten Erkenntnissen und befördern auch ein Umdenken. So haben die vielen Jahren auch dazu beigetragen, dass zahlreiche Absolvent*innen gerne ihr hart verdientes Geld selber in die eigene Hand nehmen und über die Kapitalmärkte finanziell gut dastehen. Mit dem Online-Börsenführerschein als hochschulweites, interdisziplinäres Modul oder einer Mitgliedschaft im Business and Finance Club Flensburg e.V. können Studierende auch zukünftig ihren Einstieg wagen. Gut in Erinnerung sind dem Professor aber auch heute noch die kontroversen Diskussionen mit Studierenden des mit großem Erfolg und bundesweit hoher Resonanz eingeführten Studienganges Umwelt- und Energiemanagement. Eine Hochschule ist eben auch immer eine Arena für im Wettbewerb stehende gesellschaftliche Denkansätze, über die nach hinten raus in Parlamenten von demokratischen Mehrheiten entschieden wird und über deren Qualität wir später in Geschichtsbüchern nachlesen können.
Über mehr als zwei Jahrzehnte wuchs die Zahl der Studierenden an der Hochschule auf deutlich über 4.000 an, neue Gebäude wurden errichtet, neue Studiengänge etabliert und die EUF kam als zweite Bildungseinrichtung auf dem Sandberg hinzu. Mit der SG als sportliches Aushängeschild der Stadt Flensburg entstand eine überaus attraktive Campuslandschaft. Ein Arbeiten in einem solchen Umfeld ist höchst inspirierend. Junge Menschen darin zu begleiten, gut qualifiziert ihren persönlichen Weg in die Arbeitswelt zu finden, hat Uli Welland dabei stets als gesellschaftlich sehr wertvolle und sinnstiftende Aufgabe begriffen. Auch das hat ihn stets motiviert.
Der demographische Wandel lieferte aber spätestens zum Ende des letzten Jahrzehnts in Form rückläufiger Einschreibezahlen Warnzeichen für das nahende Ende der beschriebenen Erfolgsstory und die in 2020 aufkommende Pandemie erforderte zudem kluge Entscheidungen, weiterhin einen Lehrbetrieb zu ermöglichen.
Mit der schlechtesten Stimmzahl 2020 nur knapp in den Fachbereichskonvent gewählt und als Prodekan für Studium und Lehre in der akademischen Selbstverwaltung dann Verantwortung übernehmen zu wollen, mag im Rückblick sehr ambitioniert erscheinen, erinnert sich Uli Welland. Andererseits hatte er aber auch über die Jahre viele Erfahrungen und Ideen sammeln können und Verantwortung geht auch immer mit erweiterten Gestaltungsmöglichkeiten einher und ist insoweit reizvoll. Aber auch der vertrauensvolle Teamgeist mit dem Dekan Professor Severin, ergänzt um Professor Gerken ab 2024 als zweiten Prodekan und Professor Lehr ab März 2026 als neuen Fachbereichsdekan, war ein zentraler Schlüssel für erfolgreiches Arbeiten.
In der Außendarstellung der Hochschule stehen mit dem Bachelor Betriebswirtschaft und dem Master eHealth als reakkreditierte Studiengänge sowie mit dem fachbereichsübergreifenden Bachelor GIE, dem Bachelor Pflege, dem Master Business Management, dem Master Entrepreneurial Artificial Intelligence, dem Master of Business Administration als neuakkreditierte Studiengänge und einer Juniorbeteiligung am Bachelor Wirtschaftsingenieur heute neue Studiengänge im Hochschulangebot, an denen Uli Welland direkt mitgewirkt hat und auf die er mit großer Zufriedenheit schaut. Insoweit wunderte es auch wenig, dass er seinen Gästen zum Grillfest in seiner Abschiedsrede mitteilte: „Ich war dabei und ich würde es auch immer wieder machen! Und gleichermaßen sage ich Euch: Auch Ihr könnt das, es ist kein Hexenwerk!“
Ein Prodekan für Studium und Lehre wirkt primär über Semesterplanungen, Kapazitätsberechnungen und die curriculare Ausgestaltung von Studiengängen im Hochschulinneren. Als Mathematikprofessor und Controller half dabei sein analytischer, kennzahlenbasierter Blick, Effizienzpotentiale zu erkennen und zu nutzen, Diskussionen in den verschiedensten Gremien um den besten Weg zu bereichern und getroffene Entscheidungen dann auch zeitnah über die Ziellinie zu tragen.
Bleibt noch die Frage, wie es um die Forschungstätigkeit und Praxiskontakte seiner Professur bestellt war. Im Jahr 2018 konnte nach einem langjährigen Berufungsverfahren Dr. Indra Erichsen als Fachkollegin für die Hochschule gewonnen werden. Die Übertragung der Modulverantwortlichkeit für Investition und Finanzierung ermöglichte Uli Welland das Verfassen eines Papers mit dem Titel „Formulas for Calculating Statistical Moments for European Options and an Application to the Classic Markowitz Portfolio Selection Model“, dessen Veröffentlichung in einem Journal aber noch offen ist.
In den Jahren 1998 und 1999 wurde im Rahmen einer genehmigten Beratertätigkeit ein Testat für eine Risikomanagementsoftware bei einer Bank erstellt. Grundsätzlich ist aber Flensburg für solche Tätigkeiten, die eigentlich nur am Frankfurter Bankenplatz nachgefragt werden, ungeeignet.
Als ehemaliger DAAD-Stipendiat wirkte Uli Welland ehrenamtlich über 10 Jahre in der Auswahlkommission für Jahresstipendien nach Nordamerika mit und half mit gutachterlicher Tätigkeit.
Zu den Bildungseinrichtungen der Stadt Flensburg zählt auch die Marineschule Mürwik und die Schule für strategische Aufklärung. Vor diesem Hintergrund und passend zur Zeitenwende im Jahr 2022 ist Uli Welland auch gerne einer Einladung zu einer Informationsdienstveranstaltung der Teilstreitkraft CIR (Cyber- und Informationsraum) gefolgt und daraufhin dem CIR-Alumni-Verein beigetreten. In dieser Zeit reifte auch der Gedanke, Absolvent*innen im Rahmen der nunmehr nur einmal im Sommer stattfindenden Graduierungsfeier mit dem Graduierungscoin eine schöne Erinnerung an ihre Hochschulzeit zu überreichen. 2023 hatte der Graduierungscoin seine Premiere:
Mit der Pensionierung ist für ihn zugleich der Eintritt in seinen letzten Lebensabschnitt verbunden. Als Mathematiker blickt man da jedoch auf zwei große Unbekannte - weiß man doch nicht, wie lang die eigene Lebensuhr noch tickt und genauso wenig weiß man, wie rund sie noch läuft. Gleichzeitig leert sich der gewohnte Terminkalender abrupt. Dank einer Pension nach dem Alimentationsprinzip ist man aber finanziell robust aufgestellt. Aber wie legt man sich da die Karten neu?
Sport ist hier ein probater Katalysator – aufmerksame Kolleg*innen haben auch schon vor- und fürsorglich mitgedacht:
„Mit Uli Welland verlässt uns ein sehr geschätzter Kollege, der den Fachbereich über drei Jahrzehnte aktiv mitgestaltet hat. Mit seinem analytischen Blick erdete er Diskussionen in unseren Gremien und trug Entscheidungen verlässlich über die Ziellinie. Sein Anteil an unseren neuen Studiengängen und Ideen wie der Graduierungscoin zeigen, dass ihm die Hochschule und vor allem unsere Studierenden immer eine Herzensangelegenheit waren. Wir verlieren einen sehr verlässlichen Teamplayer und wünschen ihm für den neuen Lebensabschnitt von Herzen Gesundheit und viele erfüllte Jahre“, so Prof. Dr. Bosco Lehr, Dekan des Fachbereichs Wirtschaft.
Schlusswort: „Maybe he is already 66 years, but he is still running in high gears!“