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Die leise und „sehende“ Windenergieanlage: Internationaler Austausch am WETI in Flensburg

Wie lassen sich Windenergieanlagen (WEA) leiser, intelligenter und zugleich effizienter betreiben? Mit dieser Frage beschäftigten sich an zwei intensiven Veranstaltungstagen jeweils rund 35 bis 40 Fachleute aus Forschung und Industrie am Wind Energy Technology Institute (WETI) der Hochschule Flensburg.

Teststandort Wanderup: Auch hier wurde ein gondelbasiertes LiDAR installiert, dass künftig für die Entwicklung und Erprobung weiterer Regelungsansätze genutzt wird.
Teststandort Wanderup: Auch hier wurde ein gondelbasiertes LiDAR installiert, dass künftig für die Entwicklung und Erprobung weiterer Regelungsansätze genutzt wird. – Foto: Marcel Schedat

Der vollständig besetzte Vorlesungsraum in der Nordstraße 2 machte deutlich: Das Interesse an aktuellen Entwicklungen ist groß, ebenso der Bedarf an konkreten Lösungen.

Eingeladen hatte das Forschungsteam des WETI rund um Prof. Dr.-Ing. David Schlipf, welcher seit fast zwei Jahrzehnten im Bereich der lidar-basierten Regelung von WEA forscht. Die Veranstaltung zog Fachleute aus Frankreich, Dänemark, Großbritannien, China, Uruguay und Deutschland an.

Der erste Veranstaltungstag widmete sich der Akustik von WEA. Im Mittelpunkt standen Strategien zur Reduktion von Geräuschemissionen sowie deren Einfluss auf Akzeptanz, Genehmigung und Betrieb. Deutlich wurde: Geräuscharme Anlagen sind kein Zusatznutzen, sondern eine zentrale Voraussetzung für den weiteren Ausbau der Windenergie.

Internationales Fachpublikum: Das WETI begrüßte rund 35 bis 40 Fachleute aus Forschung und Industrie zum Forschungsseminar „Die leise und „sehende“ Windenergieanlage.
Internationales Fachpublikum: Das WETI begrüßte rund 35 bis 40 Fachleute aus Forschung und Industrie zum Forschungsseminar „Die leise und „sehende“ Windenergieanlage. – Foto: Charlie Puttrus

Am zweiten Tag standen lidar-basierte Regelungskonzepte im Fokus. Dabei werden anströmende Windfelder vor dem Rotor erfasst und für eine vorausschauende Regelung genutzt, sodass die Anlage gewissermaßen „sehen“ kann, was auf sie zukommt. So lassen sich die Energieerträge steigern und strukturelle Belastungen reduzieren.

Zum Abschluss des zweitägigen Events arbeitete die Lidar-Assisted Control Working Group des IEA Wind Task 52 in einem Workshop an der Weiterentwicklung eines „Recommended Practices“-Dokuments als Orientierung für Forschung und industrielle Anwendung.

Die dort eingebrachten und diskutierten Ansätze stehen in engem Zusammenhang mit den Forschungsarbeiten am WETI: Die vom WETI koordinierten und betreuten Testumgebungen in Eggebek und Wanderup ermöglichen es, neue Regelungskonzepte an Windenergieanlagen unter realen Bedingungen zu erproben und weiterzuentwickeln. In dieser Form ist diese Infrastruktur weltweit einzigartig.

Ein Großteil der Forschungsarbeiten im derzeit auslaufenden Projekt ABBA erfolgt an einer WEA, die durch den Anlageneigentümer und -betreiber Denker & Wulf im Rahmen einer Kooperation bereitgestellt wird. Weitere Partner wie Siemens Gamesa Renewable Energy Service, sowento und die Universität Stuttgart sind ebenfalls eingebunden.

Unterstützt wurde das Forschungsseminar von der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH) sowie dem Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein.

Teststandort Eggebek: Im Rahmen des Projekts ABBA kommt an der WEA ein gondelbasiertes LiDAR zum Einsatz, um neue Regelungskonzepte umzusetzen und zu untersuchen. Ein zweites System wird vom Kooperationspartner Universität Stuttgart bereitgestellt.
Teststandort Eggebek: Im Rahmen des Projekts ABBA kommt an der WEA ein gondelbasiertes LiDAR zum Einsatz, um neue Regelungskonzepte umzusetzen und zu untersuchen. Ein zweites System wird vom Kooperationspartner Universität Stuttgart bereitgestellt. – Foto: Marcel Schedat