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Professor Dr. Martin von Schilling verabschiedet sich nach 17 Jahren von der Hochschule Flensburg

Wer Professor Dr. Martin von Schilling erlebt hat, erinnert sich nicht zuerst an Grammatikregeln oder Fachterminologie. Man erinnert sich an seine Begeisterung für Sprache, an seinen britischen Charme und an seine Überzeugung, dass gelungene Kommunikation weit mehr ist als die richtige Übersetzung eines Textes. Für ihn war Sprache stets ein Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis – zwischen Menschen, Kulturen und Denkweisen. Mit dieser Haltung hat er den Studiengang Internationale Fachkommunikation (IFK) und zahlreiche Studierende über 17 Jahre hinweg nachhaltig geprägt. Nun verabschiedet sich der Professor für Fachkommunikation Englisch mit dem Schwerpunkt Technisches Übersetzen (Deutsch–Englisch) in den Ruhestand.

Prof. Dr. Martin von Schilling wird im Präsidium feierlich in den Ruhestand verbschiedet
Prof.Dr. Martin v.Schilling ist feierlich in den Ruhestand verabschiedet worden.

Seine eigene Biografie war immer schon dabei von Internationalität geprägt. Obwohl in Deutschland geboren, verbrachte Martin von Schilling seine gesamte Schulzeit im schottischen Aberdeen. Anschließend studierte er an der University of East Anglia in Norwich sowie an der University of Essex in Colchester, wo er den Master of Arts in Applied Linguistics mit Auszeichnung erwarb. Als englischer Muttersprachler bewegte er sich selbstverständlich zwischen verschiedenen Sprach- und Kulturräumen – eine Erfahrung, die seine spätere Lehrtätigkeit entscheidend prägen sollte.

 

Berufliche Stationen führten ihn zunächst nach Finnland, wo er mehrere Jahre als Lehrkraft und Language Consultant in Tampere und Valkeakoski tätig war. Es folgten Lehrtätigkeiten an den Universitäten Bayreuth, Chemnitz und Halle-Wittenberg. Einen besonderen Blick auf die Anforderungen internationaler Kommunikation gewann er anschließend während seiner fünfjährigen Tätigkeit bei der damaligen DaimlerChrysler AG. Dort verantwortete er die Übersetzung und Qualitätssicherung der internationalen Unternehmenskommunikation von Mercedes-Benz. Diese Erfahrungen aus einem global agierenden Unternehmen brachte er später unmittelbar in seine Lehre ein.

 

2007 promovierte Martin von Schilling an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit einer Arbeit über Lernstrategien und Motivation beim Fremdsprachenerwerb. Wissenschaft und Pädagogik gehörten für ihn untrennbar zusammen. Gute Lehre bedeutete für ihn, Studierende zu befähigen, selbstständig zu denken, professionell zu arbeiten und den Mut zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen.

 

Als er im Wintersemester 2009 an die damalige Fachhochschule Flensburg berufen wurde, machte er genau diesen Anspruch zum Markenzeichen seiner Lehrveranstaltungen. Seine Studierenden arbeiteten an realen Übersetzungsprojekten für Unternehmen und Institutionen, übersetzten Fachliteratur und lernten die Anforderungen ihres späteren Berufs nicht nur theoretisch, sondern unmittelbar in der Praxis kennen. So haben seine Studierenden zum Beispiel für die Veröffentlichung des Buches „Einführung in die Windenergietechnik“ (Schaffarczyk 2012) das Kapitel „Die Geschichte der Windenergie“ von Jos Beurskens übersetzt. Die Verbindung von Wissenschaft und beruflicher Wirklichkeit war für Martin von Schilling kein didaktisches Schlagwort, sondern gelebter Hochschulalltag.

Auch über die Lehre hinaus übernahm er Verantwortung. Mehr als vier Jahre gehörte er als Vizepräsident für Internationales dem Präsidium der Hochschule Flensburg an. Darüber hinaus engagierte er sich im Senat, im Konvent sowie in zahlreichen Berufungs- und Findungskommissionen. Mit seiner ruhigen, verbindlichen Art, seiner interkulturellen Perspektive und seinem ausgewogenen Urteil war er über viele Jahre ein geschätzter Ansprechpartner und Mitgestalter der Hochschulentwicklung.

Der geschäftsführende Präsident der Hochschule Flensburg, Prof. Dr. Niklas Klein, würdigt seinen langjährigen Kollegen:

„Mit Professor Martin von Schilling verabschieden wir einen Hochschullehrer, der unsere Hochschule in besonderer Weise bereichert hat. Er hat wissenschaftliche Exzellenz, internationale Erfahrung und berufliche Praxis auf beeindruckende Weise miteinander verbunden. Vor allem aber hat er seine Studierenden ernst genommen, sie gefordert, gefördert und ihnen vermittelt, dass Sprache Verantwortung bedeutet. Auch als Vizepräsident für Internationales hat er wichtige Impulse für die Entwicklung unserer Hochschule gesetzt. Wir danken ihm herzlich für seinen langjährigen Einsatz, seine Verlässlichkeit und seine große menschliche Zugewandtheit. Für seinen neuen Lebensabschnitt wünschen wir ihm Gesundheit, viele inspirierende Begegnungen und die Freiheit, all das zu genießen, wofür im Berufsleben oft zu wenig Zeit blieb.“

Mit Dankbarkeit blickt Martin von Schilling selbst auf seine Zeit an der Hochschule Flensburg zurück: „Ich staune – die 17 Jahre in Flensburg sind in Windeseile vorbeigegangen. Es war eine sehr spannende und abwechslungsreiche Zeit, in der ich viele nette und interessante Studierende wie auch Kolleginnen und Kollegen kennengelernt habe. Ich werde die Arbeit mit den Studierenden sehr vermissen. Besonders geschätzt habe ich die starke Praxisnähe in der Lehre mit ihrem unmittelbaren Bezug zum späteren Berufsalltag. Gemeinsam haben wir Übersetzungsprojekte für Unternehmen umgesetzt und an Fachbuchveröffentlichungen mitgewirkt.

Es war mir eine Freude, all die Jahre an der Hochschule Flensburg lehren zu dürfen. Jetzt freue ich mich auf das, was der Unruhestand bereithält – auf Musik, Sport, Reisen und viele Begegnungen mit Menschen.“