Rund 100 Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und maritimer Praxis kamen zur 47. ISF-Tagung der Hochschule Flensburg zusammen.
Wie kann die maritime Wirtschaft den Herausforderungen von Klimaschutz, geopolitischen Veränderungen und technologischer Transformation begegnen? Mit diesen und vielen weiteren Zukunftsfragen beschäftigten sich rund 100 Fachleute aus Deutschland und Dänemark bei der 47. Tagung des Instituts für Schiffsbetriebsforschung (ISF) der Hochschule Flensburg.
Die traditionsreiche Fachkonferenz fand im C.ulturgut Weiche in Flensburg statt und brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Reedereien, Werften, Industrieunternehmen, Forschungseinrichtungen, Hochschulen sowie der maritimen Zulieferindustrie zusammen.
Im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen standen alternative Kraftstoffe wie Wasserstoff, Methanol und Ammoniak, neue regulatorische Anforderungen durch FuelEU Maritime, innovative Antriebssysteme sowie Fragen der Energie- und Versorgungssicherheit.
In ihrem Grußwort betonte Prof. Dr. Brigitte Clausen, Vizepräsidentin für Forschung, Transfer und Nachhaltigkeit der Hochschule Flensburg, die gewachsene Bedeutung der maritimen Transformation:„Wer über die Zukunft der Schifffahrt spricht, spricht heute nicht mehr nur über Effizienzsteigerung und Emissionsgrenzen. Wir sprechen auch über die Frage, wie unabhängig Volkswirtschaften künftig agieren können. Versorgungssicherheit, technologische Souveränität und wirtschaftliche Resilienz sind zu zentralen Themen geworden.“
Clausen hob zugleich die besondere Rolle der Hochschulen hervor: „Die maritime Transformation findet längst statt – sehr konkret in Unternehmen, Entwicklungsabteilungen, Werften, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Forschung endet bei uns nicht im Labor. Sie soll wirken – in Unternehmen, in Technologien und in gesellschaftlichen Entwicklungen.“
Einen sicherheitspolitischen Akzent setzte die stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein, Uta Wentzel. Sie betonte die strategische Bedeutung der Nord- und Ostsee als Handels-, Energie- und Sicherheitsräume und verwies auf die wachsende Rolle maritimer Technologien für die Resilienz Europas. Innovationen in Bereichen wie autonome Systeme, Sensorik, sichere Kommunikation, Unterwassertechnologien und der Schutz kritischer Infrastruktur seien heute wichtiger denn je. Besonders hob Wentzel die Entscheidung hervor, das neue Maritime Innovationszentrum der Bundeswehr in Schleswig-Holstein anzusiedeln. Das Zentrum werde künftig eine wichtige Brückenfunktion zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Start-ups und Marine übernehmen und dazu beitragen, neue Technologien schneller von der Forschung in die praktische Anwendung zu überführen.
Die enge Zusammenarbeit von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Region eröffne große Chancen für Innovation, Wertschöpfung und Technologietransfer. Schleswig-Holstein verfüge mit seinen Hochschulen, Werften, maritimen Unternehmen und Netzwerken wie dem Maritimen Cluster Norddeutschland über hervorragende Voraussetzungen, um diese Entwicklung aktiv mitzugestalten. Die Region könne sich damit als bedeutender Innovationsstandort für maritime Zukunftstechnologien und sicherheitsrelevante Anwendungen positionieren. Die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft, Marine und Politik sei dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Tagung intensiv für den fachlichen Austausch. Neben den Vorträgen stießen insbesondere die begleitende Fachausstellung sowie die Sonderausstellung zum deutsch-dänischen Interreg-Projekt „Baltic Ventures Program“ auf großes Interesse. Dort präsentierten junge Unternehmen und Forschungsprojekte innovative Lösungen für die maritime Wirtschaft von morgen.
Prof. Dr. Michael Thiemke vom Maritimen Zentrum der Hochschule Flensburg und Organisator der Tagung, zeigte sich mit der Resonanz sehr zufrieden. Die hohe Beteiligung und die intensive Diskussion verdeutlichten, wie groß der Bedarf an Austausch und Vernetzung innerhalb der Branche derzeit sei.
Für die Hochschule Flensburg besitzt die maritime Forschung eine besondere Bedeutung. Im Oktober 2026 erinnert die Hochschule an die Gründung der Königlich-Preußischen Seedampfmaschinistenschule vor 140 Jahren. Bereits ein Jahr später folgt ein weiteres bedeutendes Jubiläum: Dann wird das 150-jährige Bestehen der nautischen Ausbildung in Flensburg gefeiert.
Die 47. ISF-Tagung machte deutlich, dass die maritime Wirtschaft vor großen Veränderungen steht – zugleich aber über die Innovationskraft und das Know-how verfügt, diese Herausforderungen aktiv zu gestalten.
„Die Hochschule Flensburg möchte auch künftig ein verlässlicher Partner für Forschung, Austausch und Bildung sein – ein Ort, an dem Zukunftstechnologien entwickelt werden und an dem Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Vernunft und technologische Offenheit zusammengedacht werden“, sagte Prof. Dr. Brigitte Clausen.
Mit zahlreichen neuen Kontakten, fachlichen Impulsen und konkreten Ideen für zukünftige Kooperationen endete die 47. ISF-Tagung und setzte damit ein starkes Signal für die maritime Zukunft im Norden Europas.