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Hochschule Flensburg trauert um ihren ehemaligen Professor Dr. Gustav „Turbo-Gustav“ Winkler

Maschinenbauer, Hochschullehrer und Erfinder prägte Generationen von Studierenden und machte mit seinem Gegenwindfahrrad weit über Flensburg hinaus auf sich aufmerksam.

Die Hochschule Flensburg trauert um ihren ehemaligen Professor und langjährigen Hochschullehrer Prof. Dr. phil., M. Sc. und Dipl.-Ing. Gustav Winkler. Der als „Turbo-Gustav“ weit über die Hochschule hinaus bekannte Maschinenbauer, Erfinder und leidenschaftliche Tüftler ist im Alter von 85 Jahren verstorben.

3Plat beim Aeolus Race in Den Helder 2008
3. Platz der damilgen FH Flensburg beim Aeolus Race 2008 in Den Helder, Niederlande

Mit Gustav Winkler verliert die Hochschule eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die wissenschaftliche Präzision, praktische Erfahrung und unbändige technische Neugier auf besondere Weise miteinander verband. Als Hochschullehrer, Wegbereiter neuer Studienangebote und Erfinder des Gegenwindfahrrads hat er die Entwicklung der damaligen Fachhochschule Flensburg über viele Jahre entscheidend mitgeprägt. Seine Begeisterung für Technik und sein Mut, scheinbar Unmögliches auszuprobieren, wirkten weit über seine aktive Dienstzeit hinaus.

 

„Professor Gustav Winkler war ein Hochschullehrer im besten Sinne: fachlich hoch angesehen, weltoffen, erfinderisch und den Studierenden zugewandt. Er hat nicht nur Wissen vermittelt, sondern Menschen dazu ermutigt, neugierig zu bleiben, ungewöhnliche Fragen zu stellen und eigene Wege zu gehen. Mit seinen Ideen und seinem großen persönlichen Engagement hat er Spuren hinterlassen, die an unserer Hochschule bis heute sichtbar sind. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Menschen, die ihm nahestanden“, erklärt Prof. Dr. Niklas Klein, geschäftsführender Präsident der Hochschule Flensburg.

 

Gustav Winkler wurde am 9. Oktober 1940 in Augsburg geboren. Sein beruflicher Weg begann ganz praktisch: Nach einer Ausbildung zum Maschinenbauer arbeitete er zunächst als Geselle in einer Motorenfabrik. Aus diesen Anfängen entwickelte sich eine mehr als fünf Jahrzehnte umfassende Laufbahn, die ihn vom praktisch ausgebildeten Maschinenbauer über Tätigkeiten als Ingenieur und Dozent bis zum Hochschulprofessor führte.

Winkler studierte Allgemeinen Maschinenbau an der Technischen Hochschule München und schloss seine akademische Ausbildung als Diplom-Ingenieur, Master of Science und Promotion ab. Als Forschungsassistent und später als Entwicklungsingenieur bei der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG, der späteren MAN, beschäftigte er sich intensiv mit Verbrennungsmotoren und Aufladetechnik. Dabei wirkte er unter anderem an anspruchsvollen Untersuchungen und Berechnungsverfahren zum Betriebsverhalten aufgeladener Motoren mit. Seine wissenschaftlichen Arbeiten fanden auch Eingang in die einschlägige Fachliteratur. Bereits 1974 veröffentlichte Winkler eine Arbeit zum Betriebsverhalten von Verbrennungsmotoren mit Abgasturboladern. Das von ihm entwickelte Vierquadrantendiagramm zur Darstellung und Bestimmung des Betriebsverhaltens aufgeladener Motoren wurde im Standardwerk „Aufladung von Verbrennungsmotoren“ von Karl A. Zinner ausdrücklich gewürdigt.

 

Seine berufliche und akademische Laufbahn führte Gustav Winkler nach Deutschland, in die USA, nach England und nach Dänemark. Im März 1978 wurde er als Professor an die damalige Fachhochschule Flensburg berufen. Hier vermittelte er Generationen von Studierenden fundiertes Wissen auf den Gebieten des Maschinenbaus, der Verbrennungskraftmaschinen und der Abgasturboaufladung. Dabei verband er theoretische Grundlagen stets mit seiner umfangreichen praktischen Erfahrung und einer ausgeprägten Freude am Experimentieren.

Auch für die internationalen Beziehungen der Fachhochschule setzte sich Winkler mit großem Engagement ein. In Anerkennung seiner Verdienste und seiner vielfältigen Auslandserfahrungen wurde er zum Senatsbeauftragten für Auslandskontakte ernannt. Damit trug er früh zur internationalen Ausrichtung und Vernetzung der Flensburger Hochschule bei.

 

Eine weitere wichtige Rolle spielte Gustav Winkler beim Aufbau des Studienangebots Technikübersetzen. Der 1988 eingerichtete Studiengang bildete die Grundlage für die spätere Internationale Fachkommunikation an der Hochschule Flensburg. Winkler gilt als erster Professor des Studiengangs und gehörte damit zu dessen prägenden Wegbereitern. In seinem 1990 veröffentlichten Fachaufsatz „Technikübersetzen an der Fachhochschule Flensburg“ setzte er sich mit den besonderen Anforderungen einer akademischen Ausbildung an der Schnittstelle von Technik, Sprache und interkultureller Verständigung auseinander. Noch anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Studienangebots erinnerte die Hochschule ausdrücklich an seine Pionierleistung.

Überregional bekannt wurde Gustav Winkler vor allem durch eine Erfindung, deren Grundidee ihn nach eigenen Angaben bereits seit seinem zehnten Lebensjahr beschäftigt hatte: ein Fahrzeug, das allein mithilfe der Windkraft direkt gegen den Wind fahren kann. Gemeinsam mit Harro Kühn baute er 1992 in Handewitt aus gebrauchten Bauteilen einen ersten fahrfähigen Prototyp. Eine Windturbine nahm die Energie des Windes auf und übertrug sie mechanisch auf die Räder. So entstand das vermutlich weltweit erste funktionsfähige Gegenwindfahrrad.

Was zunächst wie ein technisches Paradox erschien, wurde durch Winklers Erfindergeist und Beharrlichkeit Wirklichkeit. Aus dem frühen Prototyp gingen später weiterentwickelte Gegenwindfahrzeuge der Fachhochschule Flensburg hervor. Beim ersten internationalen Aeolus Race 2008 im niederländischen Den Helder erreichte das Flensburger Team den dritten Platz. Damit begründete Winkler eine besondere Tradition, die von Studierenden und Beschäftigten der Hochschule aufgegriffen und über viele Jahre fortgeführt wurde.

In der internationalen Szene der windgetriebenen Fahrzeuge wurde Gustav Winkler bald liebevoll „Turbo-Gustav“ genannt. Der Name stand sinnbildlich für seine Energie, seine Begeisterungsfähigkeit und seine Freude daran, technische Grenzen zu hinterfragen. Auch nach seiner Pensionierung blieb er der Wissenschaft und der Hochschule eng verbunden. Als Entwickler, Berater, Vortragender und Ideengeber gab er seine Erfahrungen weiter und begeisterte Menschen für Technik. Noch 2012 berichtete er im Deutschen Technikmuseum Berlin in einem Vortrag über die Geschichte des Gegenwindfahrzeugs.

Gustav Winklers Lebensweg war von einer außergewöhnlichen Verbindung aus handwerklichem Können, wissenschaftlichem Denken, internationaler Erfahrung und schöpferischer Neugier geprägt. Er war ein Professor, der Technik nicht nur erklärte, sondern sie im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar und erlebbar machte. Seine Erfindungen, seine wissenschaftlichen Arbeiten und vor allem die Erinnerungen vieler ehemaliger Studierender und Weggefährten werden bleiben.

Die Hochschule Flensburg wird Prof. Dr. Gustav Winkler ein ehrendes Andenken bewahren.