Hochschule Flensburg veröffentlicht Open-Source-Plugin für realitätsnahe Buchungssatz-Aufgaben – Gewinnerproprojekt im Rahmen des Landesprogramms Offene Innovation 2025-Entwicklung aus Schleswig-Holstein steht Bildungseinrichtungen weltweit kostenlos zur Verfügung.
Flensburg.Buchungssätze gehören zu den Grundlagen jeder kaufmännischen Ausbildung – und zugleich zu den Themen, mit denen sich viele Studierende und Auszubildende besonders schwertun. Gleichzeitig fehlte bislang in Moodle, dem weltweit am häufigsten eingesetzten Open-Source-Lernmanagementsystem, ein Fragetyp, mit dem sich Buchungssätze fachlich korrekt, praxisnah und automatisiert prüfen lassen.
Diese Lücke schließt nun ein neues Moodle-Plugin, das an der Hochschule Flensburg entwickelt wurde. Der neue Fragetyp „Buchungssatz" steht ab sofort weltweit über das offizielle Moodle Plugins Directory kostenlos zur Verfügung und ermöglicht Lehrenden erstmals, realitätsnahe Buchungssatz-Aufgaben direkt in Moodle zu erstellen und automatisiert bewerten zu lassen.
Das Projekt „Moodle-Fragetyp Buchungssatz (MoFT-BuSa)" wurde als Gewinnerprojekt im Rahmen des Landesprogramms Offene Innovationen 2025 durch die Staatskanzlei Schleswig-Holstein mit rund 57.000 Euro gefördert – betreut und begleitet durch den DigitalHub.SH.
„Aus didaktischer Sicht ging es uns nicht einfach darum, Buchungssätze irgendwie digital abzufragen", erläutert Dr. Hendrik van der Sluis. „Entscheidend war, dass Studierende realitätsnahe Aufgaben bearbeiten können, die der fachlichen Logik des Rechnungswesens entsprechen – mit passenden Konto-Betrag-Zuordnungen, flexibler Eingabe, automatisiertem Feedback und der Möglichkeit, Verständnislücken frühzeitig zu erkennen.“
Bisher mussten Lehrende im Rechnungswesen auf allgemeine Moodle-Fragetypen wie Multiple Choice, Lückentext oder Drag-and-Drop zurückgreifen. Diese lassen sich jedoch nur mit erheblichem Aufwand an die Anforderungen von Buchungssätzen anpassen und bilden deren fachliche Logik nur unzureichend ab.
Der neue Fragetyp orientiert sich dagegen unmittelbar an der Arbeitsweise des Rechnungswesens. Studierende ordnen Konten und Beträge in einer speziell entwickelten Eingabemaske zu. Zusammengehörige Konto-Betrag-Paare werden logisch miteinander verknüpft und automatisch bewertet. Dabei können verschiedene fachlich korrekte Reihenfolgen berücksichtigt werden – ein entscheidender Vorteil gegenüber bisherigen Lösungen.Das Plugin eignet sich sowohl für Selbstlernangebote und Übungsaufgaben als auch für elektronische Klausuren und andere digitale Prüfungsformate.
Auch für Lehrende eröffnet der neue Fragetyp erhebliche Erleichterungen. Aufgaben können direkt in Moodle erstellt, Musterlösungen hinterlegt, Teilpunkte vergeben und Bewertungen automatisiert durchgeführt werden. Ein weiterer Vorteil: Kontenpläne lassen sich komfortabel aus Excel importieren und individuell an unterschiedliche Lehrkonzepte anpassen.
Entwickelt wurde das Plugin zwar an der Hochschule Flensburg, konzipiert wurde es jedoch bewusst nicht als Insellösung für einen einzelnen Studiengang. Buchungssätze gehören zu den Kernkompetenzen in nahezu allen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen sowie in zahlreichen kaufmännischen Ausbildungsberufen. Entsprechend groß ist der potenzielle Anwenderkreis.
„Das Problem begegnet nicht nur uns in Flensburg", sagt Prof. Dr. Lasse Tausch-Nebel, Initiator und Projektleiter des Vorhabens. „Buchungssätze werden überall dort gelehrt, wo Rechnungswesen Teil der Ausbildung ist. Genau deshalb war es uns wichtig, keine Insellösung zu entwickeln, sondern ein frei verfügbares Moodle-Plugin, das Lehrende an Hochschulen, Berufsschulen und anderen Bildungseinrichtungen unmittelbar für ihre eigenen Kurse nutzen können."
Bereits während der Entwicklung tauschte sich das Projektteam mit rund 20 Lehrenden und Fachexpertinnen und -experten aus Hochschulen, Berufsschulen und weiteren Einrichtungen aus. Deren Rückmeldungen flossen in die fachliche Konzeption, die Anforderungsspezifikation und das Testing ein. Die Softwareentwicklung übernahm die Flensburger lambda9 GmbH. Auch die HLA Flensburg war frühzeitig als Praxispartner in die Konzeption eingebunden.
Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung wurde das Plugin bereits mehrfach aus dem offiziellen Moodle Plugins Directory heruntergeladen. Zudem erreichten das Projektteam zahlreiche positive Rückmeldungen aus der Moodle-Community. Das Plugin soll nun über Facharbeitskreise und Netzwerke im Bildungsbereich weiter bekannt gemacht werden.
Mit der Veröffentlichung als Open-Source-Software steht der neue Fragetyp Bildungseinrichtungen weltweit kostenlos zur Verfügung. Durch die internationale Moodle-Community und die Möglichkeit, Übersetzungen bereitzustellen, kann das Plugin künftig auch über den deutsch- und englischsprachigen Raum hinaus eingesetzt werden. Die Hochschule Flensburg verbindet mit dem Projekt das Ziel, digitale Lehre im Rechnungswesen nachhaltig zu verbessern und Lehrenden ein Werkzeug an die Hand zu geben, das fachliche Qualität, didaktischen Nutzen und technische Einfachheit miteinander verbindet.